Über uns

In all diesen Jahren, hatte ich ein starkes Heimweh nach Themar und ich weiss nicht wie oft ich an den Ort gedacht habe.”

Diese Webseite begann mit diesen Worten von Manfred Rosengarten, die er 1983 in seinem zweiundsechzigsten Lebensjahr schrieb. Manfred wurde 1921 als Sohn jüdischer Eltern in Themar, Thüringen, geboren.1936 flohen er und seine Familie nicht nur aus Deutschland, sondern aus ganz Europa. Zuerst fanden sie Zuflucht in Shanghai, dann, nach dem Ende des Krieges, in San Francisco. Hier blieb Manfred bis zum Ende seines Lebens.

Leider sah Manfred Themar nie wieder. Aber sein starkes Heimweh nach Themar veranlasste ihn 1983 dazu, Kontakt mit seinen alten nicht jüdischen Schulfreunden, die den Krieg überlebt hatten und noch in Themar lebten, aufzunehmen. Eine “Lawine” von Briefen überquerte den Atlantik in beide Richtungen. Manfred stand mit diesen Freunden bis zu seinem Tode im November 1987 in engstem Schriftverkehr. Er bewahrte alle Briefe von seinen Freunden und Kopien seiner eigenen Briefe sorgfältigst auf.

Andrew Rosengarten, Sohn von Manfred Rosengarten, und Sharon Meen, mit den Briefen von Manfred Rosengarten, 2007. Foto: VHEC.

Zwanzig Jahre später übersetzte Dr. Sharon Meen, eine kanadische Akademikerin und freiwillige Mitarbeiterin am Vancouver Holocaust Education Centre/Kanada, diese Briefe für den Sohn von Manfred, Andy Rosengarten. Sie war fasziniert von dem ungewöhnlichen Charakter dieses Briefwechsels. Im April 2008 besuchte sie dann auch Themar, die Heimatstadt, die so sehr von Manfred Rosengarten geliebt und verehrt wurde. Sie lernte einen der ursprünglichen Briefschreiber, Willi Förster, kennen und sprach mit vielen Einwohnern von Themar, die sich an die Familie Rosengarten und die anderen jüdischen Familien aus der Vorkriegszeit erinnern konnten.

Während dieses Besuchs erfuhr sie auch, dass andere Mitglieder der jüdischen Familien Themar nach der Wiedervereinigung Deutschlands besucht hatten, z.B. Heinrich Levinstein und die Söhne von Julius Müller. Kontakte zu Mitgliedern dieser 25 jüdischen Familien, die einst in Themar gelebt hatten, gab den Anstoß zu dieser Webseite.

Für uns ist diese Webseite eine Erinnerung und Ehrung der jüdischen Gemeinde, die von 1865 bis 1943 in Themar existierte. Insgesamt können wir Spuren von mehr als 250 Juden finden, die zwischen 1865 und 1943 einige Zeit in Themar verbracht haben. Wir wollen damit die alten Verbindungen feiern und dazu beitragen, dass sie sich weiter entwickeln und vertiefen können. Wir heißen Sie auf unserer Webseite herzlich willkommen! Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Sharon Meen, s.meen79@gmail.com.

Schuljahr 1928-1929. Willi Förster vorne/mitte, Manfred Rosengarten hinter ihm. Quelle: Vancouver Holocaust Education Centre

Willy Förster im Gespräch mit Sharon Meen, 2008. Foto: Lengemann.

Willy Förster, 2008. Foto: Rolf Lengemann

5 Responses to “Über uns”

  1. Dr.med.Klaus Dieter Boxberger says:

    Sehr geehrte Frau Dr.Meen, vielen herzlichen Dank für Ihre umfangreiche schöne Sammlung von Bildern aus Themar. Ich lebte von 1938 (Geburtsjahr) bis 1948 in Themar. Meine Tante wohnte gegenüber der Judenschule, meine Eltern in der Beamtenschule in Themar. Meine Eltern waren keine Nazis, aber auch keine Antifaschisten.
    Bei Gesprächen erfuhr ich, dass sie es angeblich nicht bemerkt hätten als die Juden aus Themar verschwanden. Für mich sehr unglaubwürdig in einer Kleinstadt! Meine eigene Geschichte ist auch etwas unglaubwürdig. Ich selbst bin evangelischer Christ und mein Vater war strenger Kommunist (seit 1945) und dazu noch Offizier beim Ministerium für Staatssicherheit. Nochmals herzlichen Dank. Mit freundlichen Grüssen Ihr K.D.Boxberger

  2. Matthias Hartmann says:

    Sehr aufschlußreich!

  3. Yariv SHavit says:

    Sehr geehrte Frau Dr. Meen,
    Ich bin der Enkelsohn des ehemaligen Albert Stern,gebuertig aus Geisa. Er hat Nazi-Deutschland Weihnachten 1938 verlassen, ueber Koeln, Ardennen, nach Belgien und im Juli mit einem kleinen Schiff nach Palaestina. 6 Jahre nach Kriegsende hat er versucht zu erfahren was noch uebrigblieb. Da es schon DDR war, konnte er nicht einreisen. Dann fingen die Briefe an, mit verschiedenen Klassenkammeraden, und der “Heimatbrief” aus Geisa den er in Israel monatlich empfangen hat. Sechs Tueten voller Briefe, getippt sorgfaeltig aufbewahrte Kopien, endlose Heimweh die man zwischen den Zeilen erkennen kann. Kein Hass, keine Anklage, sondern “darueber sprechen wollen” “der Jugend war es ihm wichtig” niemals den Draht aufzugeben. Herr Kleber hat einige dieser Briefe und Bilder von mir bekommen und in seinem Buch ueber die Geschichte der Geisaer Juden, ihm einige Seiten gewidmet.

    Ich wuerde gerne dieses Kapitel nochmal eroeffnen wollen um die Intensitaet des Heimwehs zu eroertern.
    Ich galube ich habe hiermit Ansporn bekommen.
    Besten Dank
    Yariv Shavit, Israel

  4. Monika Masur says:

    Dear Mrs. Dr Meen,
    I delighed about your scince work. It is very important for the descendants. I am interested for that.
    Love Monika Masur

Leave a Reply

(required)

(required)

© 2012 Dr. Sharon Meen, Ihre Stimmen leben noch- Jüdisches Leben in Themar. All rights reserved. Last updated on September 4th, 2012